IFiF-Projekte

Abschluss des IFiF-Projekts EXENKO

EXENKO

EXENKO entwickelt Bausteine zur Steigerung der Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen. Die Austauschformate stellen sich als Schlüssel zu einer gendergerechten Wissenschaftskommunikation dar.

V. l. n. r.: Silvie Haarmann; Prof. Dr. Ute Klammer; Dr. Maren A. Jochimsen; Lena Braunisch; Chantal Vomlela; Eva Wegrzyn; Dr. Lara Altenstädter. EXENKO-Projektteam, (es fehlt Anja Mallat)

Im Fokus des EXENKO-Projekts

Warum bleiben herausragende wissenschaftliche Leistungen von Frauen so oft im Schatten? Das EXENKO-Projekt hat sich dieser Frage angenommen und rückt die Rolle der Hochschulkommunikation im Prozess der Sichtbarmachung von Wissenschaftlerinnen in den Fokus.

Die Projektarchitektur: Vier Partnerhochschulen, ein gemeinsames Ziel

Von 2021 bis 2024 widmete sich das Forschungs- und Umsetzungsprojekt EXENKO "Exzellenz entdecken und kommunizieren. Sensibilisierung und Kompetenzentwicklung zum Thema Exzellenz und Gender für PostDocs und Akteur*innen der Hochschulkommunikation", gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), einem bis dato nur bruchstückhaft erforschten Thema: der geschlechtsspezifischen Wahrnehmung, Bewertung, Anerkennung und Sichtbarkeit wissenschaftlicher Leistungen sowie insbesondere die Rolle der Kommunikationsverantwortlichen an Hochschulen in diesem Zusammenhang.  

Vier nordrhein-westfälische Hochschulen bildeten die Projektbasis: die Universität zu Köln, die RWTH Aachen University, die Hochschule Ruhr West und die Universität Duisburg-Essen. In vier aufeinander aufbauenden Modulen konnte das Forscherinnenteam an den Partnerhochschulen Erkenntnisse zur Ursache der Benachteiligung von Wissenschaftlerinnen in der öffentlichen Wahrnehmung gewinnen sowie neue Handlungsimpulse entwickeln und erproben.

Was ist wissenschaftliche Exzellenz, und auf welcher Grundlage wird sie zugeschrieben?  

Die erste Projektphase umfasste eine Interviewstudie. Ein zentrales Ergebnis war die Analyse des akademischen Exzellenzverständnisses: Die vorherrschenden Bewertungskriterien wie Publikationszahlen, eingeworbene Forschungsgelder und Auszeichnungen werden von allen interviewten Personen (Wissenschaftler*innen, Kommunikationsverantwortlichen, Gleichstellungsbeauftragten) zwar als bedeutsam wahrgenommen, aber als zu ‚zu kurz gegriffen‘ in Frage gestellt. Insbesondere die mit diesen vermeintlich ‚neutralen‘ Leistungskriterien einhergehenden Verzerrungen (Gender Citation Gap, Gender Publication Gap, Gender Award Gap), aber auch die Nichtbeachtung von gesellschaftlicher Relevanz eines Forschungsthemas oder die fehlende Wertschätzung des Engagements von Forschenden in der Lehre und Nachwuchsförderung wurden kritisiert. Besonders aufschlussreich war zudem die Erkenntnis, dass Akteur*innen der Hochschulkommunikation die Zuschreibungen wissenschaftlicher Exzellenz aus der Fachcommunity heraus – oft aufgrund begrenzter zeitlicher Ressourcen – unreflektiert übernehmen und in die Öffentlichkeit transportieren. Dadurch geraten Wissenschaftlerinnen, die im Hochschulsystem strukturell benachteiligt sind, noch weiter ins Hintertreffen.

Kommunikationsbrücken bauen: Dialogformate als Schlüssel zum Verständnis

In der zweiten Projektphase initiierte das EXENKO-Team Dialogformate. Wissenschaftlerinnen, Kommunikationsverantwortliche und Gleichstellungsexpertinnen der Partnerhochschulen diskutierten hochschulintern die unterschiedlichen Erwartungen, Handlungslogiken und Praktiken der im Prozess der Sichtbarmachung von Forschenden involvierten Akteur*innen. Ziel war es, Kommunikationsbarrieren abzubauen, Handlungsbedarfe zu identifizieren und, aufbauend auf diesen Erkenntnissen, Konzepte für zielgruppenspezifische Sensibilisierungstrainings zu entwickeln.

Von der Theorie in die Praxis: Sensibilisierung, Selbstreflexion, Erprobung neuer Wege

Die dritte Phase konzentrierte sich auf die Erprobung der entwickelten Workshop-Konzepte. Diese richteten sich einerseits an weibliche Postdocs und Juniorprofessorinnen und andererseits an Kommunikationsverantwortliche an Hochschulen. Die Sensibilisierungsformate verfolgten vier zentrale Ziele: einerseits Wissenschaftlerinnen bei ihrer Positionierung zum Thema Sichtbarkeit zu unterstützen als auch sie in ihrer Selbstwahrnehmung als Expertin zu stärken und andererseits Kommunikationsverantwortliche zu ermutigen, ihre Handlungsspielräume gendersensibel zu nutzen sowie ihr Exzellenzverständnis kritisch zu reflektieren.

Multiplikation: Wenn Perspektiven aufeinandertreffen

Die abschließende Projektphase umfasste eine Multiplikationsveranstaltung, die Vertreter*innen aus verschiedenen Bereichen zusammenbrachte – von Wissenschaftler*innen, Wissenschaftskommunikator*innen, Personen aus dem Bereich der hochschulischen Fort- und Weiterbildung bis hin zu Gleichstellungsbeauftragten und Personen aus dem Gender & Diversity Bereich. Hier wurden die Projektergebnisse aus verschiedenen Perspektiven intensiv diskutiert und weiterentwickelt.

Ausblick: Bausteine zur Steigerung der Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen

Das Projektteam führte die in den vier Projektphasen gewonnenen Erkenntnisse in einer Handreichung und drei weiterführenden Videos zusammen. Ziel der Handreichung "Wege zu mehr Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen" ist es, anderen Hochschulen im Bundesgebiet eine konzeptionelle Grundlage für ähnliche Maßnahmen und Weiterbildungsangebote zu bieten, um so den Austausch zwischen den verschiedenen Akteur*innengruppen innerhalb von Hochschulen anzuregen.

Die Projekterkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Auseinandersetzung mit Geschlechtersensibilität in der Wissenschaftskommunikation. Konstruktive Kommunikationsbrücken zwischen Wissenschaftlerinnen und Kommunikationsverantwortlichen stellen sich den Projekterkenntnissen zufolge als zentraler Schlüssel dar, um strukturelle Veränderungen anzuregen, die zur Steigerung der Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen beitragen. 

Mehr Informationen zu EXENKO im Projektsteckbrief

Hier steht die Handreichung "Wege zu mehr Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen" zum Download zur Verfügung.